Wann Nebenhandlungen deinen Roman bereichern – und wann du sie streichen solltest

Nebenhandlungen sind ein zweischneidiges Schwert. Richtig eingesetzt, geben sie deinem Roman Tiefe, verstärken dein Thema und lassen deine Charaktere lebendiger wirken. Doch falsch genutzt, stehlen sie der Hauptgeschichte die Show oder führen – im schlimmsten Fall – ins narrative Nirgendwo.

In diesem Blogbeitrag stellen wir fünf gezielte Fragen, mit denen du herausfinden kannst, ob deine Nebenhandlung deine Geschichte stärkt oder ob du besser die Streichung erwägen solltest.


🔍 1. Macht die Nebenhandlung die Geschichte besser oder nur länger?

Eine gute Nebenhandlung:

  • verstärkt das zentrale Thema,
  • unterstützt die Charakterentwicklung,
  • bringt neue Erkenntnisse für den Hauptkonflikt.

Beispiel:
Wenn deine Protagonistin eine investigative Journalistin ist und sich über mehrere Kapitel mit ihrer Trennung vom Exfreund beschäftigt, – ohne dass dies Einfluss auf die Haupthandlung hat, dann ist das Füllmaterial.
Besser: Der Ex steht plötzlich auf der Seite des Antagonisten und beeinflusst so direkt den Verlauf der Haupthandlung.

Checkfrage:
Würden Leser:innen etwas vermissen, wenn diese Nebenhandlung fehlt?


⚡️ 2. Erhöht die Nebenhandlung den Einsatz oder die Spannung?

Dekorative Szenen haben ihren Reiz, aber Nebenhandlungen sollten Spannung oder emotionale Tiefe hinzufügen.

Beispiel:
Eine Magierin hilft einem hungernden Jungen: nett, aber ohne Konsequenz.
Besser: Der Junge liefert später eine entscheidende Information über den Feind. Oder er wird sogar geopfert und bringt so die Hauptfigur an ihre Grenzen.

„Keine Nebenhandlung ohne Konsequenz.“


📚 3. Fordert die Nebenhandlung mehr Aufmerksamkeit als die Hauptgeschichte?

Wenn Leser:innen sich mehr für die Nebenhandlung interessieren als für die eigentliche Story, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.

Beispiel:
Dein Liebesroman spielt in einem Schreibworkshop, aber die Nebenfigur geht auf Weltreise und erlebt eine epische Lovestory, die alle in den Bann zieht.
Lösung:
Entweder reduzieren oder daraus einen neuen Roman machen!

Checkfrage:
Ist das noch Nebenhandlung oder schon die Hauptattraktion?


🎯 4. Passt die Nebenhandlung zum Thema oder zum Charakterbogen?

Nebenhandlungen sind wie Spiegel: Sie sollten dein Hauptthema auf andere Weise reflektieren oder Aspekte der Figur vertiefen.

Beispiel:
Eine verlorene Katze in einer Coming-of-Age-Story ist nur sinnvoll, wenn sie symbolisch oder aktiv mit dem Thema „Selbstständigkeit“ der Protagonistin verbunden ist.
Besser: Der Nachbar nutzt die Katze zur Kontrolle und die Figur lernt, sich zu behaupten.

Tipp:
Frage dich: Welche Funktion erfüllt diese Nebenhandlung im Gesamtthema?


🧩 5. Würde sich das Ende deiner Geschichte ändern, wenn du die Nebenhandlung streichst?

Das ist die ultimative Testfrage.

Beispiel:
Eine Widerstandskämpferin freundet sich mit Künstlern an. Wenn diese Szenen keine Auswirkungen auf die Auflösung der Geschichte haben, sind sie verzichtbar.
Besser: Einer der Künstler entpuppt sich als Spion oder liefert die entscheidende Idee zum finalen Coup.

„Hat die Nebenhandlung Einfluss auf das Ende, dann darf sie bleiben. Wenn nicht: Weg damit!“


💬 Nebenhandlungen gezielt nutzen, statt planlos einfügen

Nebenhandlungen sind kein Deko-Element – sie sind mächtige Werkzeuge. Richtig eingesetzt, können sie:

  • das Thema deines Romans stärken,
  • Figuren emotional vertiefen,
  • Spannung erzeugen,
  • und den Verlauf der Geschichte entscheidend beeinflussen.

Stelle dir vor dem Schreiben oder bei der Überarbeitung immer diese fünf Fragen. Wenn du sie ehrlich beantwortest, wirst du schnell herausfinden, welche Nebenhandlungen dein Buch voranbringen und welche rausfliegen sollten.


„Starke Nebenhandlungen sind keine Extras, sie sind das zweite Herz deiner Geschichte.“


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