Von null Aufregung zu Herzrasen: Wie sich ein Glauserpreis-Moment wirklich anfühlt
Wenn du gerade an deinem Buch sitzt, kennst du diesen Gedanken: „Ich brauche mehr Zeit. Mehr Ruhe. Mehr Plan.“ Und zack, sind wieder drei Wochen rum. Genau deshalb liebt Isabella Archan Kurzkrimis und Anthologien so sehr. Sie zwingen dich nicht in Perfektion, sondern in Entscheidung: Was ist die eine Idee? Was ist die eine Wendung? Was bleibt wirklich hängen?
Im Interview beim Bookerfly Umsetzungskongress sprach Isabella Archan (frisch gebackene Glauserpreis-Preisträgerin) im Interview mit Jennifer B. Wind genau darüber, nur eben nicht als Lehrbuch, sondern als ehrliche Story: von kompletter Gelassenheit vor der Preisverleihung bis zu Herzrasen, als ihr Name fällt. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr weiterhin, wie die prämierte Kurzgeschichte entstanden ist, inklusive eines Schreibkniffs, der dir sofort helfen kann, wenn du selbst für eine Anthologie schreibst.
„Ein guter Kurzkrimi ist wie ein Schlaglicht: kurz, hell, und du siehst danach etwas, das du vorher übersehen hast.“
Glauserpreis: Warum der Moment mehr ist als nur eine Trophäe
Isabella beschreibt den Glauserpreis so, wie viele Krimi-Autor:innen ihn empfinden: als den Preis, den man nicht „einfach so“ bekommt. Und gerade deshalb ist ihre Reaktion so menschlich: Erst locker, dann völlig überrumpelt, als sie gewinnt. Sie hält eine Dankesrede ohne Vorbereitung und erinnert sich hinterher kaum daran, was sie gesagt hat.
Das ist nicht dieses „Ich hab’s natürlich kommen sehen“. Das ist eher: „Ich war nominiert – das war schon Ehre genug.“ Und genau das ist eine gute Haltung fürs Schreiben.
Wenn du jedes Projekt nur startest, weil es „erfolgreich“ werden muss, wird’s zäh. Wenn du es startest, weil du etwas erzählen willst, passiert oft genau das Gegenteil: Es wird stark.
„Erfolg ist nicht der Plan. Erfolg ist das Nebenprodukt von Klarheit.“
Der echte Kern: Wie eine preisgekrönte Kurzgeschichte entsteht
Isabella wurde für eine Anthologie (Mord am Hellweg) eingeladen. Das Prinzip: Du bekommst eine Stadt zugewiesen, bist zwei Tage vor Ort, wirst herumgeführt und dann schreibst du eine Geschichte, in der das Setting sichtbar wird. In ihrem Fall: Fröndenberg mit vielen Stationen, vielen Menschen, viel Stadtgeschichte.
Und dann kommt der typische Autoren-Moment: Alle wollen „in die Geschichte“.
Elf Stationen, elf Menschen, ein Kurzkrimi – klingt erst mal wie „zu viel Input“. Genau da passiert aber der entscheidende Move: Isabella findet eine Rahmenhandlung, die alle Stationen organisch verbindet.
Der Trick: „Taxi als Struktur“
Die Hauptfigur ist eine alte Frau mit Demenz. Sie lebt im Heim und weiß: Bald wird sie sich an gar nichts mehr erinnern. Deshalb organisiert sie sich einen Taxifahrer, der sie einen Tag lang durch die Stadt fährt, damit sie alles noch einmal sieht.
Damit löst Isabella gleich mehrere Probleme auf einmal:
- Alle Stationen passen natürlich rein (Taxi = plausibler Ortswechsel)
- Das Thema Erinnerung ist direkt im Text verankert
- Die emotionalen Stakes sind sofort da (Zeit läuft ab)
Und dann kommt der Krimi-Antrieb: Der Taxifahrer ist nicht irgendein Fahrer, er ist der Mann, der vor über 30 Jahren ihre Lebensgefährtin ermordet hat. Nie verurteilt. Nie gesühnt. Und bevor sie im Vergessen verschwindet, will sie Rache.
Das ist ein großartiges Setup, weil es Spannung auf zwei Ebenen erzeugt:
- Schafft sie es, klar genug zu bleiben?
- Schafft sie es, ihn zu stellen?
Und am Ende bleibt es bewusst offen: War es real oder nur in ihrem Kopf? Genau dieses „Schillern“ ist literarisch super, weil es zum Thema passt: Erinnerung als brüchiger Boden.
„Wenn Thema und Plot sich gegenseitig tragen, musst du nichts künstlich aufpumpen, dann zieht die Geschichte von allein.“
Was du als Autor:in daraus lernen kannst (ohne dass es nach Schreibschule klingt)
1) Suche zuerst den Container, nicht die Szenen
Viele Anfänger:innen fangen bei „coolen Momenten“ an. Das ist okay. Nur: In einer Kurzgeschichte brauchst du ein Gefäß, das alles hält. Taxi, Zugfahrt, ein Abendessen, ein Rundgang, ein Verhörraum – egal. Hauptsache: ein klarer Ablauf, der Szenen erlaubt, ohne dass du erklärst, warum jemand jetzt schon wieder woanders ist.
2) Nimm ein Thema, das dich wirklich betrifft (aber dosiert)
Isabella sagt offen: Das Demenz-Thema hat auch mit ihrem Leben zu tun. Genau deshalb trifft es. Der Punkt ist nur: Du musst nicht dein Leben ausbreiten. Es reicht, wenn du den emotionalen Kern kennst.
3) Hör auf das „Flow-Signal“
Sie beschreibt diesen Moment, den wir alle kennen: Du findest den Punkt und dann läuft es. Das ist kein Zauber. Das ist meistens ein Zeichen, dass du endlich eine Struktur gefunden hast, die deine Idee trägt.
4) Antologien sind Training auf hohem Niveau
Anthologien lesen und schreiben ist eine Abkürzung. Du siehst, wie andere Spannung bauen, wie sie Figuren anlegen, wie sie Twists platzieren. auf engstem Raum.
Schreib kleiner, um größer zu werden
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft aus diesem Interview: Du musst nicht gleich den 400-Seiten-Roman stemmen, um „echte Autor:in“ zu sein. Manchmal bringt dich ein Kurzkrimi weiter, weil du lernst, Entscheidungen zu treffen. Und weil du schneller fertig wirst.
Wenn du also gerade festhängst: Schreib eine Kurzgeschichte. Nicht als „Nebenprojekt“. Sondern als Training für deine Stimme.
„Ein Kurzkrimi ist kein kleiner Roman, er ist ein präziser Schnitt.“
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