Ich schreibe diesen Text nicht, um dich für oder gegen künstliche Intelligenz zu gewinnen. Ich habe selbst keine fertige Antwort. KI und Kunst ist ein sehr schwieriges Thema.

Aber ganz klar ist für mich: KI ist in der Buchbranche angekommen. Statt es heimlich zu nutzen ist mein persönlicher Wunsch: Transparenz. Das man offen damit umgehen kann. Ich wünsche mir auch, dass KI Barrieren abbaut und das Thema Buch zugänglicher macht. Das es viele neue Möglichkeiten in die Buchbranche bringt. Menschen sich ihren Traum von Buch erfüllen können und KI auch als kreatives Werkzeug einsetzen.

Ich bin seit achtzehn Jahren in der Buchbranche, als Autorin, Lektorin, Schreibcoach und Ghostwriterin. Ich habe viele Veränderungen mitgemacht. Mit Selfpublsihing hatte ich 2005 in den USA das erste Mal zu tun, bevor es mit Amazon KDP 2011 in Deutschland Wellen schlug. Und glaub mir, Selfpublishing war ein ganz schwieriges Thema damals.

KI ist eine noch größere Veränderung. 

Seit vielen Jahren arbeite ich mit KI und begleite in meiner Schreibschule Menschen, die ihr Buch mit ihr schreiben. Ich gebe täglich Workshops und habe die vergangen Jahre viele tausende Autor:innen darin geschult, wie man KI rund um das Thema Buch verwenden kann.

Jetzt wollte ich ehrlich wissen, wo wir stehen. Nicht in Vorträgen, nicht in Schlagzeilen. Sondern an einem echten Buch. Von der Idee bis zur Veröffentlichung.

Also habe ich es ausprobiert. Den gesamten Weg vom Schreiben bis zur Veröffentlichung.

Das Experiment

Ich habe ein komplettes Buch von einer KI schreiben lassen und alles offengelegt. Sie hat den Text geschrieben, lektoriert, Korrektur gelesen, gesetzt und das Cover gestaltet. Veröffentlicht bei Amazon hat ein KI-Agent. Von mir kamen die Idee und die Regie. Die KI wurde von mir in wochenlanger Arbeit antrainiert, mit meinen Werten, meiner Schreibstimme, meinem ganzen Buchwissen. Ich habe eigene KI Tools für Lektorat, Korrektorat, Coverdesign usw. entwickelt.

Meine Regel: Ich habe kein Kapitel von Hand umgeschrieben. Wenn mir etwas nicht gefiel, ging es zurück in die Maschine, wieder und wieder, in vielen Schleifen. Was am Ende steht, ist das, was die KI mir als fertig hingelegt hat. Ungeschönt, ohne menschliche Endpolitur.

Ich hätte das verschweigen können. Niemand hätte es gemerkt – da bin ich mir fast sicher.  Und genau da liegt der Kern von allem. Klar kommen jetzt die Stimmen: Man merkt überall die KI. Steht ja auch drauf ;-). Und Stellenweise mag das auch stimmen. Aber mir geht es darum, wo wir wirklich stehen.

Die ehrliche Antwort lautet: erstaunlich weit, und trotzdem nicht auf Knopfdruck.

Buchcover Die zweite Stimme

Hier geht es zum Buch 

Wer glaubt, man tippt „schreib mir ein Buch“ in ChatGPT und bekommt einen Roman, irrt sich. Das Ergebnis wird flach und seelenlos, sobald die Führung fehlt. Ich habe der KI über Wochen meinen Stil und meine Werte antrainiert, eigene Werkzeuge für die einzelnen Schritte gebaut und viel geprüft und zurückgespielt. Es war ein ganzes KI Orchester eingebunden. Claude, ChatGPT, Manus, Perplexity, Gemini, Suno, Lovable usw…Aber eben nicht einfach Prompts im Chat, sondern antrainierte KI.

Das Experiment hat mir nicht gezeigt, dass der Mensch überflüssig wird. Es hat mir gezeigt, wie tief man sein Handwerk kennen und wie eng man sich mit dem Buch verbinden muss. Genau da, wo diese Tiefe fehlt, kippt es. Ich habe es nicht geschrieben aber ich habe der KI 237 Fragen beantwortet und meine 18 Jahre Buchbranche, sowie meine Werte und Haltung zu Themen in dem Buch stecken darin. Die KI hat meine Schreibstimme gelernt.

Mich hat es fasziniert und beängstigt. Ich meine die KI Agenten haben am Ende selbst die Landingpage gebaut und das Buch ohne mich auf Amazon veröffentlicht…

Obwohl ich täglich mit KI arbeite bekomm ich da manchmal Schnappatmung. 

Die KI hat sogar Bonusmaterial für die Vermarktung vorgeschlagen. Eine begleitende Playliste zum Buch

Die Songtexte habe ich selbst geschrieben. Ich liebe es Songtexte zu schreiben und bei der Entstehung des Buches kamen mir so viele Ideen dazu. Umgesetzt und aus den Songtexten „Songs“ gemacht hat dann die KI mit Suno. Und zwar alleine – ohne mich.

Hier kannst du dir einen Bonustrack anhören

Das Experiment hat mir nicht gezeigt, dass der Mensch überflüssig wird. Es hat mir gezeigt, wie tief man sein Handwerk kennen und wie eng man sich mit dem Buch verbinden muss. Genau da, wo diese Tiefe fehlt, kippt es.

Das Gute, das ich sehe

Ich möchte hier nichts schwarzmalen, denn ich sehe das Gute jeden Tag.

Ich sehe Menschen, die endlich ihr Buch beginnen, weil ihnen jemand über die erste Angst hilft. Menschen, die nie Legasthenie oder eine fremde Muttersprache aufhalten muss. Lektorinnen, die schneller und ja teilweise besser arbeiten. Ideen, die nicht mehr in Schubladen sterben. Für viele ist KI kein Ersatz für Kreativität, sondern der Schlüssel, sie überhaupt herauszulassen. Und auch ich sehe bei mir, wie viel Kreativität es freisetzen kann. Ich wünsche mir, dass es Barrieren abbaut. Und ja, es hat Licht und Schatten, immer.

Die Sorgen, die ich ernst nehme

Und trotzdem gibt es echte Einwände, die ich nicht wegwische.

Der stärkste ist das Urheberrecht. Diese Modelle wurden mit dem geistigen Eigentum von Menschen trainiert, oft ohne zu fragen. Das ist eine der wichtigsten und unbequemsten Fragen der ganzen Debatte, und sie wird gerade weltweit vor Gericht ausgetragen. Nur hört sie nicht beim Buch auf. Sie steckt in der Suchmaschine, in der Übersetzungs-App, in der Plattform, auf der du das hier vielleicht liest. Wir sind alle verstrickt, ich auch.

Wir nutzen alle Instagram. Es gehört dem größten KI-Riesen der Welt: Meta. Und wird damit es so gut funktioniert mit mehr als kritisch geschützten Daten trainiert. Wo fängt man an, wo hört man auf? Ist das überhaupt die Frage?

Als Ki Trainerin bin ich täglich in zahlreichen Firmen. Vom Friseur, Gärtner, Schulen, Versicherungen – überall verändert KI die Berufe.

Und ehrlich? Werden Menschen bereit sein, für ein Lektorat 2000 € zu bezahlen, wenn die KI das in 10 Minuten für 30 € macht? Ehrlich – ich denke einfach es wird die Branche auch sehr verändern. Zum Guten: Lektorate werden für mehr Menschen zugänglich, auch wenn sie nicht so viel Geld haben und die Buchqualität besser. Aber der Beruf der Lektoren? Das ist die Schattenseite.

Was mir am meisten Sorge macht

Aber das Schlimmste an dieser Entwicklung ist für mich nicht, dass KI existiert.

Das Schlimmste wäre eine verlogene Branche. So viele Menschen nutzten bereits KI und keiner traut sich dazu zu stehen.

Ich erlebe es schon: Menschen, die öffentlich gegen KI wettern und sie hinter verschlossener Tür nutzen. Nicht weil sie unehrlich sind, sondern weil sie sich nicht trauen, es auszusprechen. Aus Angst, dann weniger wert zu sein. Und so entsteht ein Kreis. Solange alle es verstecken, bleibt das Stigma. Solange das Stigma bleibt, versteckt es jeder.

Aus diesem Kreis führt nur eines heraus: Ehrlichkeit.

Deshalb habe ich mein Buch nicht versteckt, sondern auf den Tisch gelegt. Nicht um zu sagen: Schreib deine Bücher mit KI. Sondern um zu zeigen, es wird KI Bücher geben und es muss einen Weg miteinander statt gegeneinander geben.

Was ich mir wünsche

Der Buchmarkt wird sich verändern, ob es uns gefällt oder nicht. Ihm geht es schon lange nicht gut. Es öffnet Möglichkeiten, es wird die Branche verändern, und es wird klare Richtlinien brauchen, damit das fair und ehrlich passiert.

Berufe haben sich immer verändert. Als die Fotografie kam, fürchteten die Porträtmaler um ihre Existenz. Heute ist die Fotografie selbst eine Kunst. Ich weiss nicht wie es weitergeht.  Aber ich glaube, wir kommen weiter, wenn wir reden statt urteilen. Auch mit denen, die es anders sehen als ich. Das ist wichtig.

Mein Experiment heißt „Die zweite Stimme“. Ein Psychothriller über Trauer, Schuld und die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn seine Stimme für immer bleibt.

Alle Einnahmen gehen an ein Kinderhospiz.

Ich verdiene an diesem Experiment nichts. 100 % der Einnahmen gehen als Spende an das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland in Düsseldorf, das Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern begleitet. Wenn dich diese Geschichte berührt, hilft sie damit Kindern und Familien, für die jede Stimme zählt.

Lies es, wenn du magst. Und dann sag mir ehrlich: Wo hast du die Maschine bemerkt? Und wo hast du sie vergessen? Und wie geht es dir mit dem Thema KI & Buch?

Hier geht es zum Buch 

Herzlichst,

deine Janet