Was passiert, wenn eine Autorin alles hinter sich lässt – und auf dem Meer Bücher schreibt
Manche Menschen reden davon, irgendwann einmal auszusteigen. Andere tun es einfach. Ute Baris gehört ganz klar zur zweiten Gruppe. Sie lebt seit vielen Jahren auf einem Segelkatamaran, reist über die Meere, schreibt Bücher und verbindet ihr Leben als Autorin mit einer tiefen Haltung zum Umwelt- und Klimaschutz.
Im Rahmen des Bookerfly Umsetzungskongresses hat Jennifer B. Wind die Autorin interviewt und hier lest ihr den spannenden Beitrag. Es geht nicht nur um Bücher. Es geht auch um Mut, um Reduktion, um Freiheit und um die Frage, was man eigentlich wirklich braucht, um zu schreiben.
Denn oft machen wir das Schreiben komplizierter, als es ist.
„Wer schreiben will, braucht nicht den perfekten Moment, sondern den echten Anfang.“
Wie aus einem Traum ein Leben auf dem Meer wurde
Der Traum vom Segeln kam ursprünglich von Utes Mann. Eigentlich wollte er erst im Ruhestand um die Welt segeln. Doch Ute stellte eine einfache und gleichzeitig kraftvolle Frage: Warum warten? Wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist. Gesundheit, Lebensumstände, Energie – nichts davon ist selbstverständlich. Also beschlossen die beiden, nicht irgendwann zu leben, sondern jetzt.
Vor rund 23 Jahren fiel die Entscheidung. Natürlich nicht völlig leichtfertig. Ein Leben auf dem Wasser klingt romantisch, aber es braucht auch ein Konzept. Die beiden mussten Geld verdienen, das Schiff finanzieren und ihren Alltag neu organisieren. Also nahmen sie Gäste mit an Bord, arbeiteten unter anderem als Tauchlehrer und bauten sich damit Schritt für Schritt ein Leben auf, das für viele wie ein ferner Traum klingt.
Besonders spannend: Bevor sie gemeinsam aufs Boot zogen, hatten sie nie zusammen gewohnt. Das allein würde viele schon abschrecken. Doch genau darin steckt auch eine wichtige Erkenntnis. Man muss nicht alles bis ins Letzte abgesichert haben, bevor man losgeht. Manches wächst erst unterwegs zusammen.
Schreiben braucht weniger, als viele denken
Ein Punkt aus dem Interview trifft mitten ins Herz vieler angehender Autorinnen und Autoren: die ewige Ausrede mit dem fehlenden Equipment. Da wird auf das perfekte Schreibprogramm gewartet. Auf einen besseren Laptop. Auf mehr Ruhe. Auf den idealen Schreibtisch. Auf den richtigen Zeitpunkt. Und währenddessen bleibt das Manuskript genau dort, wo es nicht hingehört – im Kopf.
Ute Baris lebt auf einem Segelschiff. Weniger Platz geht kaum. Und ihre Antwort auf die Frage, was man wirklich zum Schreiben braucht, ist entwaffnend klar: einen Laptop und ein funktionierendes Schreibprogramm. Mehr nicht.
Das ist eine Erinnerung, die gut tut. Schreiben ist kein Technikprojekt. Schreiben ist eine Entscheidung.
Natürlich darfst du dir den Prozess angenehm machen. Aber du brauchst nicht erst perfekte Bedingungen, um anzufangen. Der Text entsteht nicht wegen der Software. Er entsteht, weil du dich hinsetzt.
„Nicht das Werkzeug schreibt dein Buch. Deine Haltung tut es.“
Vom ersten Jugendmanuskript zur Thrillerautorin
Ute hat schon früh Geschichten erfunden. Mit 14 schrieb sie bereits ein Buch. Leider war es ihr später so peinlich, dass sie das Manuskript zerriss. Ein Moment, den wahrscheinlich viele Schreibende kennen: der Impuls, das eigene frühe Schreiben kleinzureden. Heute bedauert sie es.
Später griff sie diese alte Idee wieder auf, recycelte das Manuskript und entwickelte daraus etwas Neues. Es fand keinen Verlag und landete erst einmal in der Schublade. Auch das gehört zur Realität des Schreibens dazu. Nicht jede Idee wird sofort zum Erfolg. Nicht jedes Projekt findet direkt seinen Platz. Entscheidend ist etwas anderes: Sie blieb dran.
Ein wichtiger Wendepunkt kam über das deutsche Schriftstellerforum. Dort stieß sie auf den Gedanken, dass man das schreiben sollte, was man selbst am liebsten liest. Für sie war das der Startpunkt in Richtung Thriller.
Und dann passierte das, was oft bei guten Büchern passiert: Eine Figur war plötzlich da. In ihrem Fall ein Meeresbiologe. Kein klassischer Ermittler, kein austauschbarer Kommissar, sondern eine Figur mit eigenem Hintergrund, die aus ihrer eigenen Lebenswelt heraus glaubwürdig wurde.
Genau darin liegt eine starke Lektion für alle, die schreiben wollen: Gute Stoffe entstehen oft dort, wo persönliche Erfahrung, echtes Interesse und erzählerische Neugier zusammenkommen.
Warum ihre Bücher mehr sind als bloße Spannung
Besonders stark ist an Ute Baris’ Arbeit, dass sie Unterhaltung mit Haltung verbindet. Ihre Thriller greifen Umwelt- und Naturthemen auf, ohne belehrend zu wirken. Sie schreibt nicht abstrakt über Probleme, sondern aus direkter Anschauung.
Das sieht man besonders an ihrem Buch „Green Lies – Tödliche Ernte“. Der Stoff entstand nicht am Schreibtisch durch bloße Recherche, sondern durch eigene Erlebnisse. Auf Borneo sah sie riesige Holzfrachter, kahle Hänge, verbrannten Regenwald und Palmölplantagen, auf denen kaum noch Leben möglich war. Diese Eindrücke haben sich festgesetzt. Aus diesem Schock wurde ein Roman.
Genau das macht ihre Bücher so glaubwürdig. Sie schreibt nicht über Umweltzerstörung, weil es ein Trendthema ist. Sie schreibt darüber, weil sie gesehen hat, was passiert. Weil sie erlebt hat, wie fragil Ökosysteme sind. Weil die Meere, Korallen und Regenwälder für sie keine abstrakten Begriffe sind, sondern Teil ihres Lebens.
Das gibt ihren Geschichten Gewicht.
„Spannung entsteht nicht nur durch Gefahr, sondern durch Wahrheit, die wehtut.“
Was du dir als Autor oder Autorin aus diesem Interview mitnehmen kannst
Dieses Gespräch ist nicht nur inspirierend, weil es von einem ungewöhnlichen Leben erzählt. Es ist auch praktisch. Denn zwischen den Zeilen stecken einige wichtige Impulse für dein eigenes Schreiben.
Erstens: Du musst nicht warten. Weder mit dem Leben noch mit dem Schreiben.
Zweitens: Du brauchst weniger, als du denkst. Wenn du ein Thema hast, eine Stimme und den Willen, dranzubleiben, ist schon viel da.
Drittens: Schreib über das, was dich wirklich bewegt. Nicht nur über das, was sich gut verkauft. Nicht nur über das, was andere gerade machen. Sondern über das, worauf du eine echte Perspektive hast.
Und viertens: Deine Erfahrung ist kein Nebenschauplatz. Sie kann der Kern deiner Geschichte sein.
Gerade wenn du oft zweifelst, ob dein Weg „gewöhnlich genug“ oder „professionell genug“ ist, lohnt sich dieser Blick. Schreiben muss nicht geschniegelt und glatt sein. Es darf Ecken haben. Es darf aus dem echten Leben kommen. Vielleicht wird es genau dadurch stark.
Schreiben beginnt nicht am perfekten Ort, sondern mit einer klaren Entscheidung
Das Bild einer Autorin, die auf einem Segelkatamaran lebt und zwischen Ozean, Umweltbewusstsein und Thrillerplot schreibt, bleibt hängen. Aber nicht nur, weil es außergewöhnlich ist. Es bleibt hängen, weil es uns an etwas erinnert, das wir im Alltag oft vergessen: Ein Buch entsteht nicht durch bessere Umstände. Es entsteht durch Tun.
Ute Baris zeigt, dass Schreiben überall möglich ist – wenn du es ernst meinst. Mit wenig Raum. Mit wenig Technik. Aber mit viel Beobachtung, Klarheit und innerem Antrieb.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Kern dieses Interviews: Nicht die Frage, wo du schreibst, entscheidet über deinen Text. Sondern ob du bereit bist, deiner Stimme Raum zu geben.
„Am Ende schreibt nicht der perfekte Plan das Buch,– sondern der Mensch, der anfängt und weitermacht.“
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