Wenn Dialoge knistern: Wie deine Kurzgeschichte sofort mehr Gefühl bekommt
In Kurzgeschichten verzeiht dir niemand langweilige Dialoge. Nicht, weil Leser:innen ungeduldig sind, sondern weil du einfach wenig Platz hast. Wenn zwei Figuren in einer Kurzgeschichte erst mal über Wetter, Kaffee und „Wie geht’s?“ reden, ist die halbe Spannung schon weg, bevor sie überhaupt entstehen konnte.
In diesem Blogbeitrag zeigen wir dir, wie du Dialoge so schreibst, dass sie natürlich klingen, Figuren unterscheidbar machen und gleichzeitig Spannung erzeugen. Und ja: Das ist Übungssache. Aber du kannst sofort anfangen, besser zu werden.
„Ein guter Dialog ist keine Abschrift der Realität, er ist die verdichtete Version davon.“
Warum Dialoge in Kurzgeschichten so wichtig sind
Dialoge sind nicht nur „Figuren reden miteinander“. In Kurzgeschichten übernehmen sie oft gleich mehrere Aufgaben auf einmal:
1) Figuren charakterisieren – ohne lange Erklärtexte
Wie spricht deine Figur?
Kurz angebunden oder redet sie ohne Punkt und Komma?
Nutzt sie Fachsprache? Dialekt? Slang? Weicht sie aus?
Über Dialoge erfährt man Persönlichkeit, Status, Beziehung – und manchmal auch Verletzlichkeit.
2) Handlung vorantreiben
Dialoge können Informationen einführen, Konflikte auslösen oder Missverständnisse eskalieren lassen. Und das Beste: Das wirkt lebendiger als Erzählertext, wenn es gut gemacht ist.
3) Spannung aufbauen
Spannung entsteht oft nicht durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was nicht gesagt wird. Wenn eine Figur ausweicht, zögert, nur halb antwortet, spürt der Leser: Hier stimmt was nicht.
4) Emotion transportieren – mit Mimik, Gestik, Pausen
Dialoge werden stark, wenn du sie nicht allein stehen lässt. Ein Blick weg, ein stockender Satz, ein zu schnelles Lächeln – das sind kleine Hebel mit großer Wirkung.
3 Techniken, die deine Dialoge sofort besser machen
1) Subtext: Lass zwischen den Zeilen knistern
Gute Dialoge sagen oft mehr, als sie aussprechen. Wir nennen es die „zwischen den Zeilen Kommunikation“. In Kurzgeschichten ist Subtext pures Gold, weil du damit Spannung erzeugst, ohne lange zu erklären.
Ein Beispielgedanke:
Statt „Tut mir leid“ (neutral) wirkt – klingt „Ich hätte mir nur gewünscht, du wärst gekommen“
wie eine Tür, die halb offen bleibt. Warum war er nicht da? Was steckt dahinter? Genau das will man wissen.
Frag dich bei jeder Dialogzeile: Was meint die Figur wirklich? Und was versucht sie zu vermeiden?
„Subtext ist das, was Leser:innen fühlen, bevor sie es verstehen.“
2) Realismus ohne Langeweile
Alltagsdialoge sind realistisch, aber oft todlangweilig. Und in Kurzgeschichten hast du keine Zeit für „Na, wie war dein Tag?“ – außer du nutzt es bewusst, um eine Falltür zu öffnen.
„Streich Füllwörter, streich Leerlauf, behalte Reibung.“
Statt: „Hallo, wie geht’s dir? Wetter mies heute.“ – lieber: „Du siehst müde aus. Lange Nacht?“
„Kannst du laut sagen.“
„Und?“
„Frag besser nicht.“
Du siehst sofort: Da ist Energie, da ist Beziehung, da ist ein Geheimnis. Starte Dialoge möglichst nah am Konflikt. Nicht beim Smalltalk davor.
3) Charaktereigene Stimme: Jede Figur klingt anders
Wenn alle Figuren gleich sprechen, ist es egal, wer gerade redet. Und ja, das passiert erstaunlich oft.
Der beste Tipp aus der Folge: Lies deine Dialoge laut vor. Und zwar so, als hätten Leser:innen die Augen verbunden. Wenn man nur am Klang erkennt, wer spricht, hast du gewonnen.
Gib jeder Figur 2–3 sprachliche Marker:
- Satzlänge (kurz vs. lang)
- Ton (sarkastisch, formell, weich)
- typische Wörter (z. B. „ehrlich gesagt“, „schau“, „also“)
Häufige Dialog-Fehler, die du vermeiden solltest
1) Der „Erklärbär“
Wenn Figuren Dinge sagen, die sie im echten Leben nie so aussprechen würden, nur damit der Leser es „kapiert“, wirkt es hölzern.
Beispiel:
„Ich bin sauer, weil du gestern meine Lieblingsjacke genommen hast, ohne mich zu fragen.“
Lebendiger wäre: „Schon mal dran gedacht, vorher zu fragen, bevor du meine Jacke nimmst?“
2) Zu viel Smalltalk
In Kurzgeschichten ist Smalltalk fast immer verschenkter Platz. Wenn du ihn nutzt, dann nur, um darunter etwas anderes laufen zu lassen (Subtext!).
3) Overacting mit Satzzeichen
Drei Fragezeichen, fünf Ausrufezeichen, Großbuchstaben – das wirkt selten stark, eher bemüht. Emotionen zeigst du besser über Handlung, Haltung, Reaktion.
Statt:
„DAS HAST DU GETAN???!!!“
lieber: „Du hast das wirklich getan.“
Und dann: Blick, Pause, Handbewegung, ein Satz, der wehtut.
Eine Schreibübung, die richtig was bringt
Schreib eine kurze Abschiedsszene zwischen zwei Figuren.
- Person A weiß: Das ist das letzte Mal.
- Person B denkt: Wir sehen uns bald wieder.
Dein Ziel: Über Dialoge zeigen, dass beide etwas völlig Unterschiedliches glauben, ohne dass es direkt ausgesprochen wird. Wenn du das hinkriegst, werden deine Dialoge automatisch dichter.
„Der Leser liebt es, eins plus eins selbst zu rechnen – gib ihm nur die richtigen Zahlen.“
Gute Dialoge sind verdichtete Wahrheit
Dialoge machen Kurzgeschichten lebendig. Sie geben Tempo, Emotion, Charakter und Spannung. Und das Wichtigste: Du musst nicht „schöner“ schreiben. Du musst klarer schreiben. Nimm dir eine Kurzgeschichte, die du schon hast, und überarbeite nur die Dialoge mit diesen drei Fragen:
- Was wird nicht gesagt (Subtext)?
- Was ist überflüssig (Leerlauf, Füllwörter)?
- Klingt jede Figur eigen?
„Ein guter Dialog ist wie ein Eisberg: Oben wenig, unten steckt alles.“
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