Wenn der Erfolg plötzlich blockiert: So findest du nach deinem ersten Buch zurück ins Schreiben
Das erste Buch fertigzustellen, gehört zu den größten Erfolgen, die ein Autor erleben kann. Monate oder sogar Jahre investierst du in deine Geschichte. Irgendwann hältst du dein eigenes Buch in den Händen und plötzlich bist du nicht mehr jemand, der schreiben möchte. Du bist Autor oder Autorin.
Viele glauben, jetzt würde alles leichter werden. Doch genau das Gegenteil ist oft der Fall.
Kaum ist das erste Buch veröffentlicht, taucht eine neue Herausforderung auf. Leser warten auf Nachschub, der Verlag fragt nach dem nächsten Manuskript und plötzlich steht da diese eine Frage im Raum: Kann ich das überhaupt noch einmal schaffen?
Genau darüber sprach Autorin Susanne Kristek im Bookerfly Umsetzungskongress mit Jennifer B. Wind. Offen, ehrlich und ohne etwas zu beschönigen erzählt sie von einer Erfahrung, die viele Schreibende kennen, über die aber nur wenige sprechen: dem sogenannten Fluch des zweiten Buches.
Der Druck beginnt oft erst nach dem Erfolg
Beim ersten Buch gibt es meist nur ein Ziel: endlich fertig werden. Du schreibst aus Begeisterung. Du möchtest deine Geschichte erzählen. Niemand erwartet etwas von dir.
Mit dem ersten Erfolg verändert sich jedoch vieles. Plötzlich entstehen Erwartungen: von außen und von innen. Vielleicht kennst du Gedanken wie:
- Hoffentlich wird das nächste Buch genauso gut.
- Was, wenn ich meine Leser enttäusche?
- Kann ich überhaupt noch einmal so eine Idee entwickeln?
Genau diese Gedanken können den kreativen Prozess massiv beeinflussen.
Susanne Kristek beschreibt sehr eindrucksvoll, wie sie nach ihrem erfolgreichen Buch sofort den Vertrag für das nächste Manuskript unterschrieb. Eigentlich klang alles perfekt. Doch beim Schreiben merkte sie, dass etwas fehlte.
Nicht die Zeit. Nicht die Disziplin.
Sondern das innere Feuer.
Schreiben funktioniert nicht auf Knopfdruck
Viele Autoren glauben, Disziplin allein reiche aus. Natürlich gehört Disziplin zum Schreiben dazu. Ohne sie wird kaum ein Roman fertig. Aber Begeisterung lässt sich nicht erzwingen.
Gerade autobiografische oder autofiktionale Texte entstehen häufig aus einem inneren Bedürfnis heraus. Sie wollen erzählt werden. Fehlt dieses Gefühl, wird das Schreiben schnell zur Pflicht.
Und genau das passierte auch bei Susanne Kristek. Sie schrieb, weil sie liefern musste. Nicht, weil sie diese Geschichte unbedingt erzählen wollte. Der Unterschied klingt klein, entscheidet aber oft über den gesamten Roman.
„Der Unterschied zwischen ‚Ich muss schreiben‘ und ‚Ich will schreiben‘ entscheidet oft über die Qualität einer Geschichte.“
Wenn das Manuskript plötzlich zusammenbricht
Fast jeder Autor kennt diesen Moment. Du liest dein Manuskript noch einmal durch und spürst: Irgendetwas stimmt nicht.
Manchmal ist es nur eine Szene. Manchmal ein Kapitel. Und manchmal betrifft dieses Gefühl das komplette Buch. Genau das erlebte auch Susanne Kristek. Nach Monaten harter Arbeit schickte sie ihr Manuskript an ihre Testleserin. Bereits am nächsten Morgen war klar: So konnte das Buch nicht erscheinen.
Statt Motivation folgte Frust. Statt Stolz kamen Zweifel. Schließlich zog sie das gesamte Manuskript zurück.
Für viele wäre genau an dieser Stelle Schluss gewesen. Doch manchmal beginnt eine gute Geschichte genau dort, wo eine andere endet.
Scheitern gehört zum Autorenleben
Wir sehen häufig nur die erfolgreichen Bücher. Was wir kaum sehen, sind:
- verworfene Manuskripte,
- gelöschte Kapitel,
- abgesagte Veröffentlichungen,
- Selbstzweifel,
- kreative Krisen.
Dabei gehören genau diese Erfahrungen zum Schreiben dazu.
Jeder Roman entsteht durch Überarbeitung. Jeder Autor scheitert irgendwann an einer Idee. Und fast jeder erlebt Momente, in denen er alles hinschmeißen möchte. Das bedeutet nicht, dass man ungeeignet ist. Es bedeutet lediglich, dass Schreiben ein kreativer Prozess ist.
„Scheitern ist nicht das Ende einer Geschichte – oft ist es erst der Anfang der richtigen.“
Warum Ehrlichkeit stärker macht als Perfektion
Besonders beeindruckend an Susanne Kristeks Geschichte ist ihre Offenheit. Sie verschweigt ihre Krise nicht. Im Gegenteil. Sie macht sie sogar zum Thema ihres neuen Buches. Damit spricht sie vielen Autoren aus der Seele. Denn Erfolg bedeutet eben nicht, dass plötzlich alles leicht wird.
Auch erfolgreiche Autorinnen kämpfen mit:
- Zeitdruck,
- Familienalltag,
- Beruf,
- Selbstzweifeln,
- Erwartungshaltung.
Gerade diese Ehrlichkeit macht Mut. Sie zeigt, dass niemand allein mit seinen Schreibkrisen ist.
Gute Geschichten entstehen aus echter Begeisterung
Ein entscheidender Wendepunkt kam für Susanne während einer gemeinsamen Reise mit ihrer Autorenkollegin Martina Parker. Dort entstand nicht einfach nur ein neuer Plot. Es entstand wieder Begeisterung. Plötzlich war sie nicht mehr damit beschäftigt, einen Vertrag zu erfüllen. Sie wollte diese Geschichte erzählen.
Und genau das machte den Unterschied.
Viele Autoren unterschätzen, wie wichtig dieses innere Kribbeln ist. Nicht jede Idee eignet sich für ein Buch. Eine gute Geschichte erkennt man oft daran, dass sie einen selbst nicht mehr loslässt. Man denkt beim Autofahren daran. Beim Einkaufen. Vor dem Einschlafen.
Und plötzlich möchte man schreiben, nicht weil man muss, sondern weil man gar nicht anders kann.
Erfolg verändert auch die eigenen Erwartungen
Ein weiterer spannender Gedanke aus dem Interview betrifft den eigenen Anspruch. Beim ersten Buch freuen wir uns einfach darüber, veröffentlicht zu werden. Beim zweiten Buch vergleichen wir uns ständig mit dem ersten Erfolg.
Plötzlich stellen wir Fragen wie:
- Wird dieses Buch genauso gut?
- Verkauft es sich genauso oft?
- Werden die Rezensionen schlechter?
Dabei vergessen viele Autoren, warum sie überhaupt angefangen haben. Nicht wegen Verkaufszahlen. Nicht wegen Rankings. Sondern weil sie Geschichten lieben.
Wer sich diese Begeisterung bewahrt, schreibt langfristig entspannter.
„Die besten Geschichten entstehen selten unter Druck – sondern aus echter Begeisterung.“
Was du aus dieser Geschichte für dein eigenes Schreiben mitnehmen kannst
Vielleicht steckst du gerade selbst mitten in einer Schreibkrise. Vielleicht liegt dein Manuskript seit Monaten unangetastet auf der Festplatte. Oder du hast Angst vor dem berühmten zweiten Buch.
Dann können dir diese Gedanken helfen:
- Verwechsle Disziplin nicht mit Begeisterung.
- Höre auf dein Bauchgefühl.
- Erlaube dir, Ideen wieder loszulassen.
- Scheitern gehört zum kreativen Prozess.
- Nicht jedes fertige Manuskript muss veröffentlicht werden.
Vor allem aber: Hab Geduld mit dir.
Manche Geschichten brauchen einfach ihre Zeit.
Der zweite Roman ist kein Test, sondern ein neuer Anfang
Der sogenannte Fluch des zweiten Buches ist kein Mythos. Viele Autoren erleben ihn. Doch die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, schneller zu schreiben, sondern die Freude am Erzählen wiederzufinden.
Denn Leser spüren den Unterschied. Geschichten, die aus echter Begeisterung entstehen, wirken lebendig. Geschichten, die nur geschrieben wurden, weil sie geschrieben werden mussten, bleiben oft hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Nicht jeder Umweg ist ein Rückschritt. Manchmal führt gerade eine Schreibkrise zu der Geschichte, die wirklich erzählt werden möchte.
„Nicht der erste Erfolg macht einen Autor aus, sondern die Entscheidung, nach einem Rückschlag weiterzuschreiben.“
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