Vom Buch zum Hörbuch: Wie Selfpublisher ihr Manuskript professionell vertonen lassen
Zu diesem spannenden Thema interviewte Jennifer B. Wind im Rahmen des Bookerfly Umsetzungskongresses 2025 Monika Drummer von Saga Egmont/ Saga Storify und in diesem Blogbeitrag fassen wir euch die Informationen zusammen.
Viele Autorinnen und Autoren träumen nicht nur davon, ihr Buch in den Händen zu halten, sondern es auch als Hörbuch verfügbar zu machen. Und das aus gutem Grund. Der Hörbuchmarkt wächst seit Jahren, immer mehr Menschen hören Geschichten unterwegs, beim Sport, beim Kochen oder abends zum Einschlafen. Für viele Leser:innen ist das Hörbuch längst kein Zusatz mehr, sondern ihr Lieblingsformat.
Trotzdem bleibt der Schritt zum eigenen Hörbuch für Selfpublisher:in oft eine Hürde. Nicht, weil das Interesse fehlt. Sondern weil schnell Fragen auftauchen: Was kostet das? Wie finde ich die richtige Sprecherin? Auf welche Plattformen kommt mein Hörbuch? Und lohnt sich das überhaupt?
Genau an dieser Stelle wird es spannend. Denn für Selfpublisher:innen gibt es inzwischen Wege, professionell in den Hörbuchmarkt einzusteigen, ohne alles allein stemmen zu müssen.
„Ein gutes Buch endet heute nicht mehr beim E-Book oder Taschenbuch. Es darf auch eine Stimme bekommen.“
Wenn du also schon länger mit dem Gedanken spielst, dein Buch als Hörbuch zu veröffentlichen, dann lohnt es sich, den Prozess einmal genauer anzuschauen.
Warum ein Hörbuch für Selfpublisher:innen so interessant ist
Ein Hörbuch eröffnet dir nicht einfach nur ein weiteres Format. Es eröffnet dir eine zusätzliche Zielgruppe.
Es gibt viele Menschen, die kaum noch klassisch lesen, aber regelmäßig Hörbücher hören. Andere entdecken ein Buch erst über das Hörerlebnis und kaufen später noch das E-Book oder Printbuch dazu. Für dich als Autor:in bedeutet das: mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit und im besten Fall mehr Einnahmequellen.
Gerade im Selfpublishing ist das interessant, weil du dein Buch nicht nur einmal verwertest, sondern in mehreren Formaten präsent sein kannst.
Ein weiterer Punkt: Hörbücher wirken oft besonders nah. Die richtige Stimme kann eine Geschichte emotional noch einmal aufladen. Figuren bekommen Klang. Atmosphäre bekommt Rhythmus. Und gute Sprecherinnen holen aus einem Text oft noch einmal eine ganz eigene Tiefe heraus.
„Ein Hörbuch ist nicht einfach ein vorgelesenes Buch. Es ist eine neue Form, deine Geschichte erlebbar zu machen.“
Der Weg zum Hörbuch: So läuft die Zusammenarbeit ab
Wenn du dein Buch über einen Anbieter wie Saga Storify als Hörbuch veröffentlichen möchtest, beginnt alles mit einer Einreichung.
Dafür reichen Autor:innen ihr Manuskript über ein Formular auf der Website ein, zusammen mit einem Exposé sowie den wichtigsten Angaben wie Name oder Pseudonym. Anschließend wird geprüft, ob das Buch ins Programm passt. Laut Interview erhält man innerhalb von etwa acht Wochen eine Zu- oder Absage.
Wenn es passt, beginnt die eigentliche Zusammenarbeit.
Dann geht es Schritt für Schritt weiter:
- Vertragsabschluss
- Auswahl des passenden Produktionsmodells
- Entscheidung zur Covergestaltung
- Auswahl der Sprecherin oder des Sprechers
- Abstimmung zur Aussprache, vor allem bei Fantasy oder besonderen Namen
- Produktion, Korrekturen und Veröffentlichung
Besonders wichtig ist vielen Selfpublisher:innen dabei, dass sie nicht die komplette Kontrolle abgeben. Autor:innen werden aktiv in die Entscheidungen eingebunden, etwa bei der Auswahl der Stimme oder beim Cover.
Das ist ein großer Unterschied zu der Sorge, die viele haben: dass am Ende ein Hörbuch entsteht, das zwar technisch funktioniert, aber nicht mehr zur eigenen Geschichte passt.
Was kostet eine Hörbuchproduktion?
Eine der wichtigsten Fragen ist natürlich die nach den Kosten.
Im Interview wurde ein durchschnittlicher Rahmen von etwa 1.500 bis 2.000 Euro genannt. Dieser Preis hängt vor allem davon ab, wie lang das Manuskript ist und ob mit einer oder zwei Stimmen gearbeitet wird. Gerade im Romance-Bereich können zwei Stimmen besonders reizvoll sein.
Spannend ist dabei, dass es unterschiedliche Modelle geben kann.
Ein Modell funktioniert über Vorfinanzierung durch den Anbieter. Das heißt: Die Produktionskosten werden zunächst übernommen, und die Autor:innen tragen nicht sofort das finanzielle Risiko. Die Einnahmen werden später mit den Produktionskosten verrechnet, und anschließend erhalten die Autor:innen eine Beteiligung.
Das andere Modell richtet sich eher an Autorinnen und Autoren, die bereits mit einem guten Erfolg rechnen und ihre Produktion selbst finanzieren möchten. Dafür fällt die spätere Beteiligung höher aus.
Beides kann sinnvoll sein. Entscheidend ist, wo du gerade stehst.
Hast du schon Reichweite, eine stabile Leserschaft und gute Verkaufszahlen? Dann kann sich ein eigenes Investment lohnen.
Bist du noch am Anfang oder möchtest das Risiko klein halten? Dann ist ein Modell mit Vorfinanzierung oft der entspanntere Einstieg.
Welche Bücher haben besonders gute Chancen?
Nicht jedes Genre funktioniert gleich gut im Hörbuchmarkt. Im Interview wurde sehr deutlich, welche Richtungen aktuell besonders gefragt sind.
Ganz vorne liegen:
- Romance
- Spannung, also Krimi und Thriller
- Fantasy
Besonders attraktiv sind Serienformate. Warum? Weil Hörer:innen gern in einer Welt bleiben. Wenn nach Band 1 direkt Band 2 wartet, steigt die Chance, dass sie dranbleiben.
Weniger gefragt oder im Programm teilweise ausgeschlossen sind laut Interview:
- Kinder- und Jugendliteratur
- Lyrik
- Kurzgeschichten
Das heißt nicht, dass diese Formate grundsätzlich keine Hörbuchchance haben. Aber wenn du dich an einen spezifischen Anbieter wendest, solltest du vorher prüfen, ob dein Genre dort überhaupt gesucht wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Meistens werden bevorzugt Bücher angenommen, die bereits als Print oder E-Book veröffentlicht wurden. Der Grund ist nachvollziehbar. So lässt sich besser einschätzen, wie das Buch bei Leser:innen ankommt, welche Rezensionen es hat und ob bereits Reichweite vorhanden ist.
Warum du dein Hörbuch nicht einfach selbst einsprechen solltest
Viele Autor:innen denken irgendwann: Dann lese ich es eben selbst ein. Das klingt erstmal logisch. Schließlich kennt niemand den Text besser als du. In der Praxis ist genau das aber oft der Punkt, an dem ein Hörbuch an Qualität verliert.
Denn ein Hörbuch professionell einzusprechen ist eine eigene Kunst. Es geht nicht nur darum, fehlerfrei vorzulesen. Es geht um Tempo, Emotion, Betonung, Stimmführung, Atmosphäre und Ausdauer.
Eine gute Sprecherin kann eine Geschichte tragen. Eine unpassende oder unsichere Lesung kann sie ausbremsen.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Manche Autor:innen haben eine starke Stimme, Bühnenerfahrung oder sprechen Sachbücher selbst sehr überzeugend ein. Aber bei Romanen zeigt sich oft schnell, wie wichtig professionelle Sprecher sind.
Dazu kommt ein schöner Nebeneffekt: Sprecher:innen bringen manchmal auch eigene Reichweite mit. Das kann fürs Marketing ein echter Vorteil sein.
Auf welchen Plattformen erscheint dein Hörbuch?
Ein professionell produziertes Hörbuch landet nicht nur an einer Stelle, sondern in der Regel auf den gängigen Hörbuchplattformen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Audible
- BookBeat
- Storytel
- Thalia
- RTL+
Das Hörbuch wird meist digital angeboten, also als Download oder im Streaming. Physische CDs spielen heute kaum noch eine Rolle.
Das ist für Selfpublisher:innen besonders praktisch, weil du dich nicht selbst um jede einzelne Plattform kümmern musst. Genau dieser Vertriebsweg ist einer der Punkte, die viele unterschätzen. Ein Hörbuch zu produzieren ist das eine. Es professionell überall verfügbar zu machen, das andere.
Was du vor der Einreichung beachten solltest
Wenn du dein Manuskript für eine Hörbuchproduktion einreichen möchtest, dann sollte es sauber vorbereitet sein.
Wichtig sind vor allem:
- ein ordentliches, lektoriertes Manuskript
- ein übersichtliches Exposé
- klare Angaben zum Buch
- eine realistische Einschätzung deiner bisherigen Reichweite
Außerdem hilft es, wenn du dir vorab Gedanken zur Stimme gemacht hast. Wie klingt deine Hauptfigur? Welche Atmosphäre soll die Sprecherin transportieren? Würde eine männliche oder weibliche Stimme besser passen? Oder sogar zwei?
Gerade bei Fantasy oder stark eigensinnigen Welten ist ein Ausspracheglossar sinnvoll. So stellst du sicher, dass Namen, Orte und Begriffe so ausgesprochen werden, wie du es dir vorstellst.
Ein Hörbuch kann dein Buchprojekt auf das nächste Level heben
Ein Hörbuch ist für Selfpublisher:innen längst kein unerreichbarer Luxus mehr. Es ist eine echte Chance, dein Buch größer zu denken, neue Hörerinnen zu erreichen und deine Geschichte in ein weiteres starkes Format zu bringen.
Natürlich ist nicht jedes Buch automatisch für ein Hörbuch geeignet. Und natürlich solltest du Aufwand, Kosten und Marktpotenzial realistisch einschätzen. Aber wenn dein Buch bereits Leser findet und dein Genre gut im Audioformat funktioniert, kann ein Hörbuch ein sehr kluger nächster Schritt sein.
Wichtig ist, dass du dir dafür die richtigen Partner suchst, professionell arbeitest und dein Projekt nicht nur als schöne Idee, sondern als strategische Erweiterung deines Buches betrachtest.
„Manche Geschichten wollen nicht nur gelesen werden. Sie wollen gehört werden.“
Ein Hörbuch ist nicht nur ein Zusatz zu deinem Buch, sondern eine neue Tür zu mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit und mehr Leserbindung.
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