Meer, Liebe und Geschichten: Wie aus einer Idee ein Liebesroman wird

Sonne auf der Haut. Salz in der Luft. Möwen über dem Strand. Und irgendwo zwischen Dünen, Meer und Alltag begegnen sich zwei Menschen, die sich vielleicht noch gar nicht verlieben wollen. Liebesromane leben von großen Gefühlen. Doch große Gefühle allein ergeben noch keinen guten Roman.

Es braucht Figuren, die wir begleiten wollen. Einen Schauplatz, den wir beim Lesen beinahe riechen können. Konflikte, die nicht künstlich wirken. Und eine Geschichte, die uns glauben lässt: Diese beiden Menschen könnten tatsächlich füreinander bestimmt sein.

Beim Bookerfly Umsetzungskongress haben wir mit Lotte Römer darüber gesprochen, wie ihre Liebesromane entstehen und wie sich ihr Schreiben vom ersten gemeinsamen Selfpublishing-Projekt bis zur Zusammenarbeit mit Verlagen entwickelt hat.

Ihre Geschichte zeigt vor allem eines: Einen einzigen richtigen Weg zum eigenen Roman gibt es nicht.

Manchmal beginnt eine Autorenkarriere einfach mit: „Wollen wir mal?“

Lottes Einstieg in den Liebesroman war weniger strategisch, als man vielleicht vermuten würde. Eine Kollegin, Karin König, fragte sie, ob sie gemeinsam einen Liebesroman schreiben wolle. Lottes Reaktion war sinngemäß: Warum eigentlich nicht? Die beiden legten los.

Das erste Buch entwickelte sich überraschend erfolgreich und erreichte unter anderem eine starke Platzierung bei Amazon. Aus einem eher spielerischen Projekt wurde eine Reihe.

Darin steckt eine schöne Lektion für alle, die seit Monaten oder Jahren über ihren ersten Roman nachdenken. Manchmal wird der erste Schritt unnötig groß gemacht. Du brauchst nicht zwingend den perfekten Fünfjahresplan für deine Autorenkarriere. Du brauchst zunächst ein Projekt. Eine Geschichte. Und die Bereitschaft, anzufangen.

„Manche Bücher entstehen nicht aus einem perfekten Plan, sondern aus dem Mut, eine Idee einfach ernst zu nehmen.“

Gerade am Anfang darf Schreiben auch ein Experiment sein.

Zu zweit schreiben: Wenn die andere Person plötzlich die Geschichte verändert

Der erste Roman entstand gemeinsam. Die Kapitel wurden aufgeteilt und abwechselnd geschrieben. Das hatte einen besonderen Reiz: Obwohl es einen Plan gab, wusste Lotte nicht immer genau, was ihre Co-Autorin innerhalb einer Szene machen würde. Plötzlich reagierte eine Figur anders als erwartet. Dann musste die nächste Autorin darauf reagieren.

Für das kreative Schreiben kann genau das spannend sein. Denn wir neigen manchmal dazu, Geschichten zu früh vollständig kontrollieren zu wollen. Natürlich braucht ein Roman Struktur. Aber innerhalb dieser Struktur darf es Überraschungen geben.

Auch wenn du allein schreibst, kannst du diesen Effekt künstlich erzeugen. Frag dich beispielsweise: Was wäre jetzt die unbequemste Entscheidung meiner Figur? Oder: Welche Reaktion würde mich selbst überraschen, wäre aber trotzdem glaubwürdig?

So entsteht Bewegung. Nicht jede Szene läuft dann genau so ab, wie du sie beim Plotten erwartet hast. Und manchmal ist genau diese Abweichung die bessere Geschichte.

Liebesromane brauchen einen Ort, den man fühlen kann

Ein wichtiger Bestandteil vieler Romane von Lotte Römer ist das Meer. Norderney wurde dabei zu einem wiederkehrenden Schauplatz. Das hängt auch mit ihrer persönlichen Verbindung zur Insel zusammen. Ihre Familie hat dort viel Zeit verbracht, und Lotte kennt den Ort gut. Genau das merkt man Geschichten häufig an.

Wenn Autorinnen und Autoren einen Ort selbst erlebt haben, entstehen andere Details. Es geht dann nicht nur darum, dass dort ein Strand ist. Man kennt die Wege. Den Wind. Die Stimmung. Vielleicht eine Ecke, an der morgens kaum jemand unterwegs ist. Das Licht zu einer bestimmten Tageszeit. Den Geruch nach Meer.

„Ein guter Schauplatz ist keine Kulisse. Er verändert die Stimmung der Geschichte und damit auch die Figuren.“

Natürlich musst du nicht jeden Schauplatz deines Romans persönlich besuchen. Aber je genauer du ihn kennst, desto leichter kannst du ihn glaubwürdig schreiben. Wenn du die Möglichkeit hast, einen Handlungsort zu besuchen, dann nimm nicht nur Fotos auf.

  • Notiere Gerüche.
  • Geräusche.
  • Temperaturen.
  • Beobachte Menschen.
  • Wie bewegen sie sich dort?
  • Was unterscheidet diesen Ort von anderen?

Genau diese kleinen Dinge erzeugen später Atmosphäre.

Warum das Meer im Liebesroman so gut funktioniert

Meer, Strand und Inseln tauchen in Liebesromanen auffallend oft auf. Das ist kein Zufall. Solche Orte tragen bereits Emotionen in sich. Weite. Freiheit. Neuanfang. Sehnsucht. Erinnerung.

Eine Figur, die auf einer Insel ankommt, hat den Alltag häufig bereits räumlich hinter sich gelassen. Damit wird der Ortswechsel automatisch auch zu einer emotionalen Bewegung. Das kannst du beim Entwickeln deiner Geschichte nutzen.

Frage dich: Was bedeutet mein Schauplatz für meine Hauptfigur?

  • Für die eine ist das Meer Freiheit.
  • Für die andere Einsamkeit.
  • Für eine dritte vielleicht die Erinnerung an eine verlorene Liebe.

Der gleiche Ort kann vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählen.

Titelbild: Lampenfieber bei Lesungen? So meisterst du deinen Auftritt

Plotten oder einfach losschreiben?

Lotte bezeichnet sich selbst als ziemlich strenge Plotterin. Bevor sie mit dem eigentlichen Schreiben beginnt, weiß sie bereits recht genau, was in ihrer Geschichte passieren soll. Das gibt ihr Orientierung. Ihre Figuren entwickeln sich anschließend innerhalb dieser Geschichte weiter.

Das ist eine interessante Herangehensweise, denn beim Thema Figurenentwicklung hört man häufig den gegenteiligen Satz: „Meine Figuren machen irgendwann, was sie wollen.“ Das muss aber nicht so sein. Wenn du gerne strukturiert arbeitest, darfst du deine Figuren führen.

Ein möglicher Ablauf für einen Liebesroman könnte beispielsweise so aussehen:

Ausgangssituation: Wer sind die beiden Figuren, bevor sie sich begegnen?

Begegnung: Warum treffen sie aufeinander?

Anziehung: Was interessiert sie am anderen?

Widerstand: Warum können oder wollen sie nicht zusammen sein?

Annäherung: Was verändert sich?

Krise: Warum scheint die Beziehung unmöglich?

Entscheidung: Was müssen die Figuren erkennen oder verändern?

Auflösung: Was bedeutet ihr gemeinsamer Weg?

Dieser Rahmen nimmt dir nicht die Kreativität. Im Gegenteil.

„Ein Plot ist kein Käfig für deine Geschichte. Er ist das Geländer, an dem du dich festhalten kannst, wenn es kompliziert wird.“

Wenn Verlage die Geschichte mit beeinflussen

Im Selfpublishing konnte Lotte ihre Projekte weitgehend frei entwickeln. Später kamen Verlage hinzu. Unter anderem wurde Amazon Publishing auf sie aufmerksam und trat an sie heran. Damit veränderte sich auch ihre Arbeitsweise.

Denn wenn du für einen Verlag schreibst, kann es konkrete Wünsche geben:

  • bestimmte Themen,
  • bestimmte Schauplätze,
  • bestimmte Zielgruppen,
  • einen Veröffentlichungszeitraum.

Dann entsteht eine Geschichte möglicherweise nicht mehr ausschließlich aus einer spontanen eigenen Idee. Du entwickelst sie innerhalb eines Rahmens. Das klingt zunächst weniger frei. Es kann aber auch eine spannende kreative Aufgabe sein.

Denn professionelles Schreiben bedeutet manchmal eben auch, innerhalb von Vorgaben eine Geschichte zu finden, die trotzdem deine Handschrift trägt.

Selfpublishing oder Verlag – was verändert sich?

Lotte kennt beide Welten. Ein wesentlicher Unterschied liegt für sie in der professionellen Begleitung. Beim Verlag gibt es beispielsweise feste Timelines, Vorschüsse und ein Lektorat. Besonders ein gutes Lektorat kann langfristig enorm wertvoll sein. Denn ein professionelles Lektorat verbessert nicht nur dieses eine Buch. Du lernst dadurch möglicherweise Dinge, die du in alle folgenden Projekte mitnimmst.

Im Selfpublishing trägst du diese Verantwortung selbst. Das bedeutet mehr Freiheit, aber eben auch mehr Entscheidungen. Du musst dich selbst um Lektorat, Cover, Veröffentlichung, Zeitplanung und Vermarktung kümmern oder entsprechende Dienstleister beauftragen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger: Was ist besser?

Sondern: Welche Arbeitsweise passt gerade zu mir und meinem Projekt?

Schreiben verändert sich mit jedem Buch

Einer der interessantesten Gedanken im Gespräch ist, wie sehr sich Lottes Schreiben über die Jahre verändert hat. Der erste Roman entstand anders als ihre heutigen Bücher. Heute plottet sie genauer. Sie arbeitet häufiger mit Verlagen. Geschichten entstehen teilweise aus anderen Ausgangspunkten. Und genau so darf eine Schreibreise aussehen.

Viele Autorinnen und Autoren suchen nach der einen Methode, mit der sie von nun an jedes Buch schreiben können. Doch vielleicht gibt es diese Methode gar nicht.

  • Du veränderst dich.
  • Deine Erfahrung wächst.
  • Deine Ansprüche verändern sich.
  • Deine Arbeitsweise wird professioneller.

Und manchmal funktioniert beim fünften Buch etwas völlig anderes als beim ersten. Das ist kein Widerspruch. Das ist Entwicklung.

Dein nächster Schritt für deinen Liebesroman

Wenn du gerade einen Liebesroman planst, beantworte für dich drei Fragen:

  1. Warum müssen ausgerechnet diese beiden Menschen aufeinandertreffen?
  2. Warum können sie nicht sofort zusammen sein?
  3. Warum spielt ihre Geschichte genau an diesem Ort?

Wenn du auf alle drei Fragen eine klare Antwort hast, besitzt du bereits drei starke Säulen für deine Geschichte: Figuren. Konflikt. Schauplatz.

Dann fehlen vielleicht noch Meer, Möwen und ein bisschen Salz auf der Haut. Aber das ist schließlich Geschmackssache.

„Ein Liebesroman wird nicht stark, weil zwei Menschen sich verlieben, sondern weil wir verstehen, warum genau diese Liebe für beide etwas verändert.“


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