Keine Lust zu schreiben? Warum genau das dein größter Vorteil sein kann
„Ich bin heute nicht in der Stimmung zu schreiben.“ Diesen Satz hören wir ständig. In Coachings. In Schreibgruppen. In Gesprächen mit Autorinnen und Autoren.
Zu müde.
Zu traurig.
Zu glücklich.
Zu abgelenkt.
Zu leer.
Und dann wird sie gerufen: die Muse. Als würde sie irgendwann höflich anklopfen und sagen: Jetzt darfst du anfangen. Auf die perfekte Schreibstimmung zu warten, ist eine Illusion.
„Die Muse kommt nicht, wenn du wartest. Sie kommt, wenn du beginnst.“
In diesem Blogbeitrag zeigen wir dir, wie du deine Schreibstimmung nicht als Hindernis, sondern als Werkzeug nutzt – egal, ob du gerade im Hoch oder im Tief steckst.
Warum es keine perfekte Schreibstimmung gibt
Schreiben ist emotional. Punkt. Natürlich beeinflusst deine Stimmung, wie du schreibst. Aber sie entscheidet nicht, ob du schreibst.
Viele blockieren sich selbst mit dem Gedanken: Ich kann nur schreiben, wenn ich mich gut fühle.
Oder: Ich kann nur schreiben, wenn ich ruhig und ausgeglichen bin.
Doch deine Figuren sind auch nicht ständig ausgeglichen. Sie sind wütend, verzweifelt, verliebt, zynisch, euphorisch. Warum also solltest du nur in einem emotionalen Zustand schreiben dürfen?
„Nicht deine Stimmung blockiert dich, deine Bewertung deiner Stimmung tut es.“
Wenn du akzeptierst, dass jede Emotion Material ist, verändert sich alles.
Schreib passend zu deiner Stimmung – nicht chronologisch
Ein riesiger Gamechanger: Du musst dein Buch nicht chronologisch schreiben.
Wenn du gerade wütend bist – schreib die Konfrontation.
Wenn du melancholisch bist – schreib die Rückblende.
Wenn du verliebt bist – schreib die Liebesszene.
Wenn du traurig bist – schreib den Abschied.
Deine aktuelle Schreibstimmung kann die perfekte Energiequelle für bestimmte Szenen sein.
Beispiel: Du hast Liebeskummer. In deinem Roman trennt sich ein Paar.
Glaubst du, deine Worte werden anders klingen, wenn du gerade selbst mitten im Gefühl steckst? Natürlich. Sie werden ehrlicher. Roher. Wahrhaftiger.
Viele große Kunstwerke sind nicht in stabilen Phasen entstanden, sondern in Momenten innerer Erschütterung. Nutze das. Später kannst du in neutraleren Phasen überarbeiten, strukturieren, kürzen und verbinden. Wichtig ist: Produziere Rohmaterial.
Die Macht der bewussten Emotion
Wenn du merkst, dass dich eine Stimmung überrollt, dann lauf nicht davor weg. Halt kurz inne.
Frag dich:
- Was fühle ich gerade genau?
- Wo spüre ich es im Körper?
- Welche Gedanken begleiten dieses Gefühl?
- Welche Szene in meinem Manuskript passt dazu?
Nimm dir fünf Minuten. Schreib frei über dein aktuelles Gefühl. Ohne Anspruch auf Perfektion.
Diese kurze Reflexion kann zum Motor für ein ganzes Kapitel werden.
„Gefühle sind keine Störung im Schreibprozess, sie sind der Treibstoff.“
Emotionen gezielt erzeugen – wie Schauspieler es tun
Du musst nicht warten, bis ein Gefühl zufällig auftaucht. Du kannst es erzeugen. Musik ist eines der stärksten Werkzeuge.
Ein bestimmtes Lied – und du bist sofort wieder 17. Oder frisch getrennt. Oder unbesiegbar.
Erstelle dir Playlists für unterschiedliche Schreibstimmungen:
- Wut & Energie
- Melancholie & Tiefe
- Leichtigkeit & Humor
- Romantik & Sehnsucht
Auch Filme, Fotos oder Erinnerungen können dich in einen bestimmten Zustand versetzen.
Schauspieler nutzen genau diese Technik: Sie erinnern sich bewusst an eigene Erlebnisse, um Emotionen abrufbar zu machen. Warum solltest du das nicht auch tun? Mit der Zeit wirst du lernen, deine Emotionen flexibler zu steuern, statt von ihnen gesteuert zu werden.
Schreibrituale: Deine emotionale Abkürzung
Rituale helfen deinem Gehirn, schneller in den Schreibmodus zu wechseln.
Das kann sein:
- Ein Spaziergang vor dem Schreiben
- Eine bestimmte Tasse Tee
- Eine Kerze
- Eine feste Playlist
- Zehn Minuten Freewriting
Rituale signalisieren deinem System: Jetzt beginnt der kreative Raum. Wenn du das regelmäßig machst, brauchst du keine perfekte Stimmung mehr. Du erschaffst sie.
Akzeptiere Pausen, aber bewusst
Manchmal geht es wirklich nicht. Dann zwing dich nicht.
Aber unterscheide ehrlich: Bin ich blockiert oder weiche ich aus?
Wenn du merkst, es ist echte Erschöpfung, dann geh raus. Beweg dich. Lies. Lebe. Oft kommen die besten Ideen, wenn du dich innerlich löst.
Wichtig: Hab immer ein Notizbuch oder dein Handy griffbereit. Inspiration liebt unpassende Momente.
Austausch statt stilles Grübeln
Allein vor dem Bildschirm zu sitzen und auf Eingebung zu warten, ist selten produktiv. Sprich mit anderen Autorinnen und Autoren. Teile deine Zweifel. Hol dir Feedback. Gemeinschaft kann deine Schreibstimmung massiv verändern. Ein Gespräch kann mehr lösen als drei Stunden Grübeln.
Wenn du dich austauschst, merkst du schnell: Du bist nicht allein mit deinen Stimmungsschwankungen.
Deine Stimmung ist deine Ressource
Was wäre, wenn du ab heute aufhörst zu sagen: Ich bin nicht in der richtigen Stimmung.
Und stattdessen fragst: Welche Szene passt zu meiner heutigen Stimmung?
Dieser Perspektivwechsel nimmt dir den Druck. Schreiben ist kein linearer Prozess. Es ist ein emotionaler. Und genau das macht es lebendig.
Warte nicht – nutze, was da ist
Es gibt keine perfekte Schreibstimmung. Es gibt nur dich mit allem, was du fühlst.
Nutze deine Hochs für Energie.
Nutze deine Tiefs für Tiefe.
Nutze deine Wut für Dynamik.
Nutze deine Liebe für Echtheit.
„Schreiben beginnt nicht mit Inspiration, sondern mit Entscheidung.“
Setz dich hin. Schreib eine Szene, die zu deinem heutigen Gefühl passt. Mehr nicht.
„Nicht die perfekte Stimmung macht gute Texte, sondern der Mut, in jeder Stimmung zu schreiben.“
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