Warum Märchen, Queerness und starke Figuren perfekt zusammenpassen

Fantasy ist viel mehr als Magie, Drachen oder große Schlachten. Die Geschichten, die uns wirklich im Gedächtnis bleiben, leben fast immer von ihren Figuren. Von Menschen, die zweifeln. Die wachsen. Die kämpfen. Nicht nur gegen Monster oder dunkle Mächte, sondern oft gegen sich selbst.

Genau darüber hat Jennifer B. Wind beim Bookerfly Umsetzungskongress 25 mit Autor Christian Handel gesprochen. Über Fantasy, Märchenwelten, starke Charaktere und warum moderne Fantasy heute viel persönlicher geworden ist.

Und dabei wurde schnell klar: Gute Fantasy beginnt nicht mit einer Weltkarte. Sondern mit Emotionen.


Warum Fantasy so viele Menschen berührt

Fantasy begleitet viele von uns seit der Kindheit. Diese Geschichten öffnen Türen zu Welten, die größer wirken als der Alltag. Sie zeigen uns Heldinnen und Helden, die über sich hinauswachsen.

Und oft erzählen sie eigentlich etwas sehr Menschliches: Angst, Mut, Zugehörigkeit, Verlust, Liebe, Identität

Christian Handel beschreibt im Interview sehr schön, wie ihn Bücher schon früh fasziniert haben, weil Worte Menschen in völlig neue Welten transportieren können. Genau dieser Zauber hat ihn selbst irgendwann zum Schreiben gebracht.

„Fantasy erzählt oft von Magie. Aber eigentlich geht es fast immer um Menschen.“


Warum moderne Fantasy heute anders funktioniert

Früher war Fantasy oft sehr männlich geprägt. Die großen Helden waren Krieger, Könige oder Auserwählte. Frauenfiguren standen häufig am Rand der Handlung. Queere Figuren kamen kaum vor oder wurden unsichtbar gemacht. Das hat sich verändert.

Heute wünschen sich viele Leserinnen und Leser Geschichten, die vielfältiger sind. Figuren mit Ecken und Schwächen. Menschen, die nicht perfekt sind. Heldinnen, die handeln statt nur gerettet zu werden. Und genau das macht moderne Fantasy so spannend.

Christian Handel verbindet klassische Märchenmotive mit neuen Perspektiven. Seine Geschichten greifen bekannte Elemente auf und erzählen sie völlig neu.

Zum Beispiel:

  • Was passiert, wenn Märchenfiguren plötzlich eigene Entscheidungen treffen?
  • Wenn Heldinnen nicht brav sind?
  • Wenn Liebe anders aussieht als im klassischen Märchen?

Dadurch entstehen Geschichten, die vertraut wirken und trotzdem überraschend neu sind.


Figuren statt nur Plot

Ein besonders spannender Punkt aus dem Interview war die Frage: Was kommt zuerst — die Handlung oder die Figur?

Viele denken bei Fantasy sofort an komplizierte Welten, politische Systeme oder Magie. Aber starke Geschichten entstehen oft über die Figuren selbst. Christian Handel beschreibt, dass ihn vor allem Charakterentwicklung interessiert.

Also die Fragen: Wer ist diese Figur am Anfang? Und wer wird sie am Ende sein?

Das ist ein unglaublich wichtiger Gedanke für alle Schreibenden.

Denn Leser verlieben sich selten nur in einen Plot. Sie verlieben sich in Menschen.

In Figuren, die: Fehler machen, Angst haben, wachsen, sich verändern, Entscheidungen treffen

Warum Märchen perfekte Vorlagen sind

Märchen funktionieren seit Jahrhunderten, weil sie archetypische Konflikte erzählen. Verlust. Sehnsucht. Angst. Hoffnung. Identität.

Deshalb eignen sie sich perfekt als Grundlage für moderne Fantasy.

Aber spannend wird es erst, wenn du Fragen stellst wie:

  • Was wäre wirklich passiert?
  • Was fehlt in der ursprünglichen Geschichte?
  • Welche Perspektive wurde nie erzählt?
  • Was verschweigt das Märchen?

Genau so entstehen moderne Märchenadaptionen. Im Interview erzählt Christian Handel beispielsweise von einer Neuinterpretation von Rumpelstilzchen. Dabei wird die klassische Geschichte nicht einfach kopiert, sondern emotional vertieft und neu gedacht.

Das zeigt etwas Wichtiges: Originalität entsteht oft nicht dadurch, dass man alles neu erfindet. Sondern dadurch, dass man Bekanntes neu betrachtet.


Titelbild: Ist deine Romanidee stark genug für ein ganzes Buch? 7 Fragen zur Prüfung

Starke Figuren dürfen schwach sein

Ein besonders schöner Gedanke aus dem Podcast: Starke Figuren müssen nicht perfekt sein.

Viele Schreibende verwechseln Stärke mit Härte. Aber Leser verbinden sich viel stärker mit Figuren, die Unsicherheit zeigen dürfen.

Eine Figur wird interessant, wenn sie:

  • zweifelt
  • Angst hat
  • Fehler macht
  • verletzlich ist
  • trotzdem weitermacht

Das gilt übrigens für jede Art von Geschichte. Nicht nur Fantasy.

„Eine starke Figur ist nicht jemand ohne Schwächen. Sondern jemand, der trotz seiner Schwächen handelt.“


Wie du lebendige Fantasyfiguren entwickelst

Wenn du selbst Fantasy schreibst, helfen dir diese Fragen:

1. Was will deine Figur wirklich?

Nicht oberflächlich. Sondern emotional.

Will sie Anerkennung? Freiheit? Liebe? Sicherheit?

2. Was hält sie davon ab?

Oft liegt die größte Blockade in der Figur selbst.

3. Was muss sie lernen?

Die beste Charakterentwicklung entsteht, wenn Figuren sich verändern müssen.

4. Welche Wunde trägt sie in sich?

Vergangenheit formt Verhalten.

5. Wer bringt sie aus dem Gleichgewicht?

Beziehungen erzeugen Spannung.


Warum Vielfalt Fantasy bereichert

Fantasy bietet etwas Wunderbares: Sie erlaubt uns, neue Gesellschaften und neue Möglichkeiten zu denken. Deshalb ist Vielfalt in Fantasy so wichtig.

Queere Figuren, unterschiedliche Lebensrealitäten oder neue Rollenbilder machen Geschichten nicht „politisch“. Sie machen sie menschlicher. Und sie sorgen dafür, dass mehr Leserinnen und Leser sich in Geschichten wiederfinden können.

Das macht Literatur stärker.


Gute Fantasy erzählt immer von echten Gefühlen

Am Ende erinnern wir uns selten an jede Schlacht oder jedes Magiesystem. Wir erinnern uns an Figuren. An ihren Schmerz.
Ihren Mut. Ihre Entwicklung. Ihre Entscheidungen.

Fantasy funktioniert dann am besten, wenn sie fantastische Welten mit echten Emotionen verbindet. Und genau darin liegt ihre Magie.

„Die stärksten Geschichten entstehen dort, wo Fantasie auf echte Gefühle trifft.“

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